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Eklampsie PDF Print E-mail

Die Eklampsie [ɛklamˈpsiː, auch: eklamˈpsiː] (griechisch ἐκλάμπειν eklámpein „hervorleuchten, hervorstrahlen“, hier im Sinne von „plötzlich auftreten“) ist eine plötzlich auftretende, schwere Erkrankung vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft, die mit Krampfanfällen einhergeht. Sie kann auch kurz nach der Geburt oder im Wochenbett auftreten. Die Vorstufe wird als Präeklampsie bezeichnet.

Vorkommen

Betroffen ist etwa 1 von 2000–3500 Schwangeren. 80 % aller Eklampsiefälle betreffen Erstgebärende. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist sie sechsmal häufiger als bei Einlingsschwangerschaften. Auch Diabetes während der Schwangerschaft und vor allem Fettleibigkeit sind weitere Risikofaktoren für eine Präeklampsie und/oder Eklampsie.

Symptome

Gewöhnlich tritt die Eklampsie nicht ohne entsprechende Vorgeschichte auf. Die Patientinnen haben meist zuvor eine Präeklampsie, die durch Wassereinlagerungen (Ödeme), Eiweißausscheidung im Harn (Proteinurie) und Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) gekennzeichnet ist.
Vor diesem Hintergrund kommt es bei der Eklampsie zum Auftreten von tonisch-klonischen Krämpfen mit oder ohne Bewusstseinsverlust (postpartal 44 %, antepartal 38 %, intrapartal 18 %). Vorboten eines solchen Anfalls können ein rascher Blutdruckanstieg mit starken (meist frontalen) Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, neblig doppeltes oder verschwommenes Sehen, neurologische Beschwerden: Verwirrtheit, ev. Blindheit, Koma, fokale motorische Defizite, Leber- und Nierenversagen und eventuell Übelkeit und Erbrechen sein.

Pathogenese

  • Vasoaktive, α-adrenerge Substanzen führen zu Gefäßspasmen
  • Fibrinthromben
  • Leberzellnekrosen
  • Mütterliche Letalität: 3–5 %; kindliche Letalität: 30–50 %

Überwachung des Fetus

  • Bestimmung von Östriol, HPL, SP 1
  • Ultraschall-Fetometrie (Wachstumsretardierung!)
  • Kardiotokographie: Nonstress- bzw. Belastungs-CTG

Komplikationen

Eine Eklampsie erfordert eine intensivmedizinische Überwachung der Patientin. Es kann zu Komplikationen wie akutem Nierenversagen, Hirnödem, Thrombosen, Netzhautschäden, Blutungen und Plazentainsuffizienz mit Gefährdung des Kindes kommen.

 

Risiken

Nierenversagen, intraabdominelle oder intrakranielle Blutungen, akute Schwangerschaftsfettleber, Lungenödem, vorzeitige Plazentalösung, intrauterine Asphyxie, intrauteriner Fruchttod.

 

Therapie

Der Krampfanfall wird mit Antikonvulsiva z. B. Diazepam oder Clonazepam behandelt. Magnesium kann intravenös gegeben werden, es wirkt blutdrucksenkend und antikonvulsiv (krampflösend).

Gefürchtete Nebenwirkung einer intravenösen Verabreichung von Magnesium ist der Atemstillstand. Er kündigt sich zumeist durch Ausfall der Muskeleigenreflexe an (Areflexie); zur Früherkennung dieser Komplikation empfiehlt sich daher die Überprüfung des Patellarsehnenreflexes, der stets gut auslösbar sein soll. Deshalb sollte Magnesium nur sehr langsam i.v. injiziert werden.
Gegebenenfalls muss die Schwangerschaft vorzeitig durch Einleitung der Geburt bzw. Kaiserschnitt beendet werden, damit sich die Stoffwechsellage der Mutter bessert.

Allgemeine Maßnahmen

  • Monitoring der Patientin (Herzfrequenz, Atemfrequenz), stabile Seitenlage, Freihaltung der Atemwege, O2-Gabe, venösen Zugang setzen. Abschirmung gegen äußere Reize, Bilanzierung der Flüssigkeitszufuhr. CTG-Kontrollen des Kindes (siehe oben)
  • Anfallsbehandlung/Prophylaxe: Antikonvulsive Medikamente, Diazepam 10 mg i.v. über 2 Min.
  • Antikonvulsive Therapie: Magnesiumsulfat (Cave Überdosierung: kontinuierliche Überwachung von Herz- und Atemfrequenz der Patientin, Überprüfung des Patellarsehnenreflexes, bei Überdosierungserscheinungen: 1 g Kalziumgluconat)
  • Antihypertensive Therapie: siehe Präeklampsie! (ständige RR-Kontrollen! Augenhintergrund!)
  • Flüssigkeitshaushalt: (Bilanz, adäquater Flüssigkeitsersatz: 80 ml/kg/h oder: Menge der Harnausscheidung der letzten Stunde plus 30 ml!)
  • Behandlung eines akutes Nierenversagen: Diuretika und Humanalbumin nach ZVD-Kontrolle
  • Low-dose-Heparinisierung

Vorbeugung

Schwangere sollten regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, die sowohl von einem Gynäkologen als auch von einer Hebamme vollständig übernommen werden können. Im Falle von Auffälligkeiten ist eine ärztliche Vorstellung unumgänglich. So lassen sich Vorstufen einer Eklampsie in aller Regel frühzeitig erkennen und gegebenenfalls mit Medikamenten behandeln. Dank einer einfachen Blutanalyse lässt sich das Verhältnis zwischen sFlt-1/PlGF (soluble fms-like tyrosine kinase-1/placental growth factor) bestimmen, wodurch die Vorstufe der Eklampsie frühzeitig erkannt werden kann.

Nachuntersuchungen

  • Post partum: Intensivüberwachung für 24 h, RR-Einstellung, Magnesiumsulfat für 24 h, Flüssigkeitsbilanz
  • Postpartale Abklärung bei peripartalem Krampfanfall: Anamnese, EEG, CT/M, Klinik (RR, Proteinurie, Ödeme), Laborparameter
  • Nach der Schwangerschaft genaue Prüfung auf etwaige Vorschädigungen und neurologische Spätschäden

Literatur

Abstract von: An automated method for the determination of the sFlt-1/PIGF ratio in the assessment of preeclampsia. Am J Obstet Gynecol. 2010 Feb; 202(2): 161.e1–161.e11. auf litbot.doccheck.com



Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose.
Quelle: Wikipedia 11/2014